Alter und Behinderung – Das Behindertenzentrum Stuttgart stellt sich auf die Betreuung älterer Menschen ein

In den kommenden Jahren wird eine wachsende Zahl von Menschen mit Behinderung das Rentenalter erreichen. Das Behindertenzentrum Stuttgart e.V. (bhz) stellt sich auf die neue Situation ein und hat für die Bewohner und Beschäftigten im Rentenalter einen eigenen Bereich aufgebaut.

Es gibt mehrere Gründe, warum bisher nur sehr wenige Menschen mit Behinderung in Deutschland über sechzig Jahre alt wurden. Zum einen sind viele Menschen der Generation, die jetzt im Rentenalter wäre, in Folge des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten ermordet worden. Zum anderen haben in den letzten Jahrzehnten medizinischer Fortschritt, die Verbesserung der Lebensbedingungen und die bessere pädagogische und psychologische Versorgung die Lebenserwartung der Menschen mit Behinderung deutlich erhöht. So erlebt Deutschland erstmals eine Generation von Senioren, die von Geburt an mit einer Behinderung lebt. Die Betreuungs- und Wohneinrichtungen stellt dies vor eine neue Herausforderung.
Das bhz hat mit seiner Seniorengruppe Neuland betreten. „Noch sind es wenige Senioren, und sie alle leben schon lange in Wohneinrichtungen des bhz“, sagt Werner Wiese, der für den Bereich verantwortlich ist und zugleich die Wohngemeinschaft Plieningen leitet. Er weiß, dass es bald mehr werden: „Die Entwicklung ist absehbar. Binnen fünf Jahren wird die Zahl der Rentner, für die solche Angebote gebraucht werden, doppelt so hoch sein, und in den nächsten zehn Jahren wird der Bedarf nochmals um ein Vielfaches steigen.“

Schon vor dem Eintritt in das Rentenalter sieht das bhz die Notwendigkeit, für Senioren spezielle Angebote zu machen: „Ältere Mitarbeiter in unseren Werkstätten für Menschen mit Behinderung bekommen zunehmend Schwierigkeiten mit Lärm und Arbeitsbelastung und haben Probleme, die Arbeitswoche durchzuhalten“, weiß Wiese. „Daher gibt es für die Beschäftigten im Alter ab 55 Jahren verschiedene Angebote.“
Es bestehe natürlich die Möglichkeit, auch vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, aber den meisten sei die Arbeit sehr viel wert. Eine Teilzeitbeschäftigung in der Werkstatt bei gleichzeitiger Nutzung von begleitenden Angeboten für Senioren soll daher einen gleitenden Übergang ermöglichen. Die Wochenarbeitszeit in der Werkstatt kann stufenweise verkürzt und stattdessen durch eine Teilnahme bei der Seniorengruppe ersetzt werden.

Derzeit kommen vier Menschen mit Behinderung die ganze Woche über in die bhz-Seniorengruppe, die im Gebäude der Wohngemeinschaft Plieningen des bhz untergebracht ist. Der älteste von ihnen ist 75 Jahre alt, zwei sind Anfang 70 und einer Anfang 60. An einzelnen Tagen kommen einzelne ältere Werkstattbeschäftigte hinzu. Weiterlesen Alter und Behinderung – Das Behindertenzentrum Stuttgart stellt sich auf die Betreuung älterer Menschen ein